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Nachhaltigkeitspotenzial im Gesundheitswesen

von Moritz Hirschmann

Ursprünglich auf Englisch veröffentlicht am 08. November 2022


Bild von Greg Rosenke via Unsplash

Der Gesundheitssektor, der für durchschnittlich 5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, braucht dringend eine neue nachhaltige Ausrichtung. Indirekte Emissionen durch den Stromverbrauch und die Heizung und Kühlung von Gebäuden machen 12 % der Emissionen im deutschen Gesundheitssektor aus. Aufgrund der besonderen Rolle, die Gesundheitseinrichtungen bei der Versorgung spielen, bedeutet ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit für Gebäude des Gesundheitswesens nicht nur einen Schritt in Richtung einer globalen Reduzierung der Kohlenstoffemissionen, sondern auch einen Schritt in Richtung des Wohlbefindens der Beteiligten im Gesundheitswesen.



Herausforderungen in diesem Sektor


Gebäude des Gesundheitswesens stehen vor zahlreichen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen, wenn sie nachhaltig werden sollen. Ein Beispiel: Krankenhäuser stehen vor folgenden Herausforderungen:


Energieverbrauch: Krankenhausgebäude gehören zu den größten Energieverbrauchern. Im Vergleich dazu verbrauchen Krankenhäuser im Durchschnitt mehr Energie als Hotelbetriebe. Dies ist nicht nur auf den hohen Energiebedarf für Strom und Heizung zurückzuführen, der mit der großen Fläche, die diese Gebäude einnehmen, einhergeht, sondern auch auf die speziellen Geräte, die in Gebäuden des Gesundheitswesens verwendet werden. Auf diese Geräte entfällt mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs im Gesundheitswesen.


Wasserverbrauch: Während die durchschnittliche Person in Deutschland über 100 Liter Wasser pro Tag verbraucht, verbrauchen Krankenhäuser zwischen 300 und 1000 Liter Wasser pro Patient und Tag. Wasser wird in Krankenhäusern sowohl für hygienische Zwecke, wie Duschen und Wäschewaschen, als auch für andere Verwendungszwecke, wie z. B. zum Trinken und für die Landschaftsgestaltung, benötigt.


Bauplanung: Krankenhäuser müssen so gestaltet sein, dass sie für alle zugänglich sind. Außerdem müssen Krankenhäuser als Orte der Heilung das körperliche und geistige Wohlbefinden von Patienten, Personal und Besuchern maximieren. Das bedeutet, dass sie sowohl effizient als auch komfortabel gestaltet sein müssen. Dies kann aufgrund der besonderen Anforderungen von Krankenhäusern eine Herausforderung sein. Neben einem nachhaltigen Design müssen Krankenhäuser so konzipiert sein, dass sie das Wohlbefinden der Patienten maximieren, effizient arbeiten und die Reaktionszeit in Notfällen minimieren. Darüber hinaus müssen Krankenhäuser in der Lage sein, mit potenziellen Änderungen der Patientennachfrage Schritt zu halten.


Stadterwärmung: Jeder der hier angesprochenen Punkte trägt zur städtischen Erwärmung bei und umgekehrt. Die städtische Erwärmung tritt in dicht bebauten Wohngebieten und anderen bebauten Gebieten auf und wird durch Wärme verursacht, die in den Gebäudestrukturen und den umliegenden Gebieten eingeschlossen wird. Diese eingeschlossene Wärme erhöht die Temperaturen, was wiederum die Energiekosten, beispielsweise für Klimaanlagen und den Wasserverbrauch, in die Höhe treiben und das Risiko hitzebedingter Krankheiten erhöhen kann, was den Zielen von Gesundheitsgebäuden zuwiderläuft.


Mögliche Lösungen


Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert vielfältige Lösungen, um den Wandel zu nachhaltigen Gebäuden im Gesundheitswesen zu vollziehen. Die im Folgenden dargestellten Lösungen zeigen nur einige Möglichkeiten auf, wie dieser Wandel möglich ist. Wie das Beispiel der städtischen Heizungsanlagen zeigt, kann die Umsetzung einer dieser Lösungen darüber hinaus auch Vorteile mit sich bringen, da sie mehrere Probleme gleichzeitig angeht. Im Grunde geht es bei der Nachhaltigkeit nicht nur um die Bewältigung eines einzelnen Problems, wie z. B. der Umweltverschmutzung, sondern um ein allumfassendes Konzept, das darauf abzielt, den Nutzen zu maximieren und gleichzeitig keinen Schaden anzurichten.


Zu den wichtigsten Maßnahmen für ein nachhaltigeres Gebäudedesign im Gesundheitssektor gehören unter anderem:


Photovoltaik-Paneele (PV oder Solarpaneele) sind Quellen erneuerbarer Energie und können auf vielen Dachtypen und für die meisten Gebäude, einschließlich Gebäuden des Gesundheitswesens, installiert werden. Diese Paneele funktionieren in Räumen, die normalerweise nicht für andere Zwecke genutzt werden. Während die spezifische Energieproduktion von PV-Paneelen von einer Vielzahl von Faktoren abhängt, benötigen Solarpaneele in Europa etwa ein Jahr, um ihre anfängliche Energieinvestition zu amortisieren, danach erzeugen sie einen Energieüberschuss. Auch Energiesparlampen können den Strom- und Ressourcenverbrauch senken, da sie weniger Energie verbrauchen und länger halten als herkömmliche Glühbirnen.


Bewegungssensoren für bestimmte Gebäudeteile können sicherstellen, dass das Licht nur bei Bedarf eingeschaltet wird. Eine weitere Möglichkeit, weniger Ressourcen zu verbrauchen, ist die Installation energieeffizienter Geräte.


Eine natürliche Belüftung kann die Temperaturen senken und den Energieverbrauch von Klimaanlagen reduzieren. Kühle Dachbeschichtungen und reflektierende Farben auf Dächern und anderen Außenflächen können ebenfalls dem städtischen Aufheizungseffekt entgegenwirken und den Bedarf an Klimaanlagen verringern, was nicht nur die Energiekosten senkt, sondern auch zum Komfort der Patienten im Krankenhaus beiträgt. Eine pflanzenreiche Umgebung, wie Dachgärten und Bäume, kann den städtischen Wärmeeffekt weiter reduzieren, was zu einem geringeren Energiebedarf und einem besseren Wohlbefinden der Patienten führt.


Wassersparmaßnahmen wie das Auffangen von Regenwasser, Duschköpfe mit niedrigem Durchfluss und andere wassersparende Geräte können den Wasserverbrauch weiter senken, während solarbetriebene Warmwasserkollektoren den Energiebedarf für die Warmwasserbereitung reduzieren können.

Da sich die Investitionen im Laufe der Zeit auszahlen können, reicht es jedoch nicht aus, einfach nur technische Lösungen einzuführen. Es müssen auch andere Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigt werden, z. B. Produktionsfaktoren oder Auswirkungen auf die unmittelbar angrenzende Umwelt. All diese Faktoren sollten von Anfang an in die Gebäudeplanung einfließen oder bei der Renovierung bestehender Strukturen berücksichtigt werden.



Finanzierungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Transformation


Häufig bieten lokale und nationale Regierungen und andere Stellen Subventionen und andere Anreize für die Einbeziehung nachhaltiger Baupraktiken. Einige Beispiele auf verschiedenen Ebenen sind:


Auf nationaler Ebene bieten private Subventionen zinsgünstige Kredite für Gebäude, die bestimmte Nachhaltigkeitspraktiken einhalten. Die KfW (eine deutsche Förderbank) hat beispielsweise Standards für ein ressourceneffizientes Haus, das so genannte "Effizienzhaus".


Die Bundesförderung auf nationaler Ebene kommt von Ämtern wie dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das eine übergreifende Unterstützung für nachhaltige und energieeffiziente Sanierungen anbietet, und der Bundesförderung für Effiziente Gebäude.


Auf regionaler Ebene bieten die Landesregierungen Förderprogramme an. Das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (UM) bietet beispielsweise Fördermittel für Gebäude an, die mit bestimmten Nachhaltigkeitsmaßnahmen gebaut wurden.


Auch auf lokaler Ebene gibt es Programme zur Unterstützung der nachhaltigen Transformation, wie z. B. die Stadt München, die im Rahmen ihres Programms "Förderung Klimaneutrale Gebäude" umfassende Unterstützung für nachhaltige Gebäude anbietet, von der Beratung bis zur finanziellen Unterstützung.


Diese Fördermöglichkeiten sind nur einige der möglichen Wege, wie der Gesundheitssektor auf kosteneffiziente Weise Nachhaltigkeit anstreben kann. Diese Unterstützungen können sowohl für den Gesundheitssektor als auch für seine Akteure Verbesserungen bedeuten. So tragen diese Möglichkeiten zum Schutz der Umwelt und aller darin lebenden Menschen, insbesondere der Patienten, bei - nicht nur jetzt, sondern auch auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft.

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